⓪⓪① René Baltrusch
OHNE TITEL (Zeichenprozess)

Bleistift auf Papier, 1,50 × 1,90 m

Betreut von Prof. BKH Gutmann renebaltrusch@web.de
renebaltrusch@web.de

Ein Blatt nur mit Linien zu füllen ist eine beliebte Grundübung in der BASIS-Klasse der Freien Kunst. Man zieht einen waagerechten Strich und zeichnet direkt darunter einen zweiten, den man möglichst genau dem vorangegangenen nachempfindet. Während des ersten Termins der Veranstaltung „3 mal 3 Stunden großformatig Zeichnen“ füllte eine Kommilitonin mit dieser Technik ihr 1,50 × 2,00 m großes Blatt innerhalb einer Sitzung. Unser Dozent BKH Gutmann merkte bei der Abschlussbesprechung an, dass man den immer grober werdenden und mit größerem Abstand gezeichneten Linien im unteren Teil des Blattes ansehen würde, dass sie unter dem „einfach nur fertig werden wollen“ gelitten hätten. Dieser Moment zeigte mir auf, dass eine Zeichnung auch als Dokumentation der gedanklichen Hintergründe des Zeichners aufgefasst werden kann. #OOO# Am nächsten Tag spannte ich ein neues Blatt aufs Zeichenbrett und setzte mir das Vorhaben, eine mit derselben Technik 1,50 m × 1,90 m weiße Fläche zu füllen, mit der Vorgabe, jeder ­einzelnen Linie meine volle Aufmerksamkeit teilwerden zu lassen. Ich arbeitete mit einer festen Zeitbegrenzung (2 bis 3 Stunden), um zu verhindern, dass es einen „letzten Strich für heute“ geben könnte, der eventuell in seiner Intensität nachlassen würde. Nach jedem gezeichneten Strich hielt ich inne und schloss gedanklich mit der gerade gezogenen Linie ab. #OOO# In den 2 Monaten, in denen ich nun täglich Zeit im Zeichenraum des Knooper Wegs verbracht habe, hat sich meine Art des Linienziehens immer wieder verändert. Ich sehe das Blatt als Dokumentation meiner bis jetzt 30 Stunden dauernden Zeichenerfahrung. Mit der immer weiter zugenommenen aktuellen Linien­dichte wird das Blatt voraussichtlich weitere 3 Monate täglichen Zeichnens in Anspruch nehmen, um am Ende gefüllt zu sein.